Die württembergischen Templer

Die Tempelgesellschaft ist eine um 1850 im Königreich Württemberg entstandene christlich-chiliastische Religionsgemeinschaft, deren Mitglieder im heutigen Israel mehrere Siedlungen gründeten.

Die württembergischen Templer

Von: Eizler, Yaʿaḳov

Inhaltsverzeichnis
  1. 1: Anfänge der Tätigkeit der Familien Hoffmann und Paulus im Heiligen Land
  2. 2: Die württembergischen Templer
  3. 3: Die württembergischen Templerkolonien
  4. 3.1: Bethlehem Galiläa
  5. 3.2: Haifa
  6. 3.3: Jaffa
  7. 3.4: Jerusalem
  8. 3.5: Sarona
  9. 3.6: Wilhelma
  10. Anhang

1: Anfänge der Tätigkeit der Familien Hoffmann und Paulus im Heiligen Land

Der in Leonberg im Jahre 1815 geborene Christoph G. I. Hoffmann war Gründer der Tempelgesellschaft, die aus der pietistischen Bewegung Württembergs hervorging. Hoffmanns religiöse Erziehung in der Brüdergemeine in Korntal und sein Theologiestudium an der Tübinger Universität prägten nachhaltig seine Vorstellungen von Glaube, Gesellschaft und Kirche. Nach Beendigung seines Studiums arbeitete Hoffmann mehrere Jahre als Lehrer in Ludwigsburg, wo die Brüder Paulus eine Erziehungsanstalt namens „Salon“ gegründet hatten. Die Gebrüder Paulus waren die Enkel von Philipp Matthäus Hahn, der Kornwestheim zu einem Zentrum des schwäbischen Pietismus machte. Hahn war auch von den Ideen Philipp Jakob Speners (1635–1705) und Johann Albrecht Bengels (1687–1752) beeinflusst. Der „Salon“ sollte die angeblich irreführenden Lehren der evangelischen Kirche bloßlegen und einen reinen und einfachen Glauben im ursprünglichen Sinne Jesu vermitteln. Man glaubte streng an das geschriebene Wort der Bibel und daran, daß das „Volk Gottes“ Jerusalem als Zentrum eines neuen Reiches Gottes aufbauen werde. Um diese Idee gegen die Position der etablierten evangelischen Presse zu verbreiten, gründete man eine eigene Zeitung: Die „Süddeutsche Warte, religiöses und politisches Wochenblatt für das deutsche Volk“.

Hoffmann gewann – nach einem kurzen Intermezzo als Politiker – bald entscheidenden Einfluss auf dieses Publikationsorgan. Zusammen mit Georg David Hardegg (1812–1879) entwickelte er darin den Gedanken, das „Volk Gottes“ in das Heilige Land zu führen. Hoffmann hatte ähnliche Ideen schon in seinem Buch „Stimmen der Weissagung über Babel und das Volk Gottes“ dargelegt. Hardegg ergänzte Hoffmann optimal, indem er Hoffmanns eher weltfremden Plan energisch in die Praxis umsetzen wollte. Bald formierte sich um Hoffmann und Hardegg eine Gruppe namens „Jerusalemsfreunde“.

Im Jahre 1852 zogen sich die Gebrüder Paulus von der Leitung der „Warte“ zurück, weil die evangelische Kirche die Zeitung fortwährend scharf angriff. Hoffmann wurde ihr Alleinherausgeber und die „Warte“ damit das Organ der Jerusalemsfreunde. Hier entwickelte er seine Idee, seine Anhänger könnten durch beispielhafte Frömmigkeit, Bescheidenheit und Demut zum auserwählten „Volk Gottes“ avancieren. Mit seinem Volk wollte er nach Jerusalem ziehen und dort einen geistigen Tempel gründen – daher der spätere Name Templer.

Die schwere wirtschaftliche Krise in Württemberg Anfang der 1850er Jahre erleichterten es Hoffmann und die Gebrüder Paulus, mit ihren Ideen großen Widerhall in der Bevölkerung zu finden. Von einer Auswanderung ins Gelobte Land erhoffte man sich eine Besserung der materiellen Lebensverhältnisse.

1868 entschlossen sich die Vorsteher der Jerusalemsfreunde, die Auswanderung endgültig in Angriff zu nehmen. Sie eröffneten eine Missions- und Ansiedlungskasse. Eine Kommission hatte zu entscheiden, wer wann auswandern durfte. Hoffmann und Hardegg, wanderten als erste 1868 nach Palästina aus. Christoph Paulus blieb in Württemberg und hatte bis zu seiner Auswanderung 1873 die Geschäfte in der Heimat weitergeführt.

Im März 1873 zogen Christoph Hoffmann mit seiner Familie, der Lehrer Gottfried Schwarz mit seiner Frau (die die Funktion der Hausmutter übernahm), Christoph Ludwig Paulus sen. (1811–1893), der als zweiter Lehrer aus dem Kirschenhardthof nach Palästina gekommen war, sowie 20 Zöglinge in das Schulgebäude in Jaffa, das so genannte Institut, ein. Als Russland im Sommer 1877 in den Krieg gegen die Türkei eintrat, dachte Christoph Hoffmann, das Schicksal des türkischen Reiches sei endgültig besiegelt. Mit diesem politischen Umbruch stand für ihn die Zeit des Millenniums unmittelbar bevor. Mitte September 1877 veröffentlichte er in der „Warte“ einen Aufruf an alle Mitglieder des Tempels, worin er erklärte, dass er jetzt den langersehnten Schritt, Tempelleitung und Tempelstift nach Jerusalem zu verlegen, wagen wolle. Christoph Paulus, die rechte Hand Hoffmanns, begründete die Übersiedlung so: „Wenn dieser Schritt jetzt nicht getan würde, so wäre derselbe in eine ferne Zukunft verschoben, wo nicht zu hoffen wäre daß die Gründer des Tempels bis dahin noch am Leben sein würden.“

Mit dem „Schritt nach Jerusalem“ 1878 hatten Hoffmann und Paulus den Grundstein für die weitere Arbeit der Templer im Heiligen Land gelegt. Das Ziel Jerusalem und die Errichtung der höheren Schule in der Heiligen Stadt waren vollzogen.

2: Die württembergischen Templer

Gemeindesaal der Jerusalemsfreunde auf dem Kirschenhardthof bei Erbstetten im Jahr 1866

Archiv der Tempelgesellschaft

Gründer der Tempelgesellschaft, die im weitesten Sinne den pietistischen Strömungen Württembergs zuzurechnen ist, war der 1815 in Leonberg geborene Christoph G. I. Hoffmann, Sohn des Gründers der württembergischen Brüdergemeinde Korntal. Hoffmanns religiöse Erziehung in der Brüdergemeinde und sein Theologiestudium an der Tübinger Universität prägten nachhaltig seine Vorstellungen von Glauben, Gesellschaft und Kirche. Nach Beendigung seines Studiums arbeitete Hoffmann mehrere Jahre als Lehrer in Ludwigsburg, wo die Gebrüder Paulus eine Erziehungsanstalt namens Salon gegründet hatten. Der Salon, der sich allmählich von der Amtskirche abgrenzte, wollte zum einfachen und reinen Glauben, wie Jesus ihn gepredigt hatte, zurückkehren. Um Anhänger zu werben und sich gegen die von verschiedensten Seiten ausgehenden Angriffe publizistisch zur Wehr zu setzen, wurde rief der Salon 1845 eine eigene Zeitung ins Leben, Die Süddeutsche Warte. Religiöses und politisches Wochenblatt für das deutsche Volk.

Nach einem kurzen Intermezzo als Politiker, das ihn 1848 als Abgeordneten des Kreises Ludwigsburg in die Nationalversammlung in Frankfurt am Main führte, gewann Hoffmann entscheidenden Einfluss auf dieses Publikationsorgan. Zusammen mit dem ehemaligen Kaufmann Georg David Hardegg aus Eglosheim, einem ausgewiesenen Demokraten, griff er die als Babel diskreditierte Amtskirche scharf an und warb für den Gedanken, neben der bestehenden Kirche ein neues Volk Gottes zu formen. Ähnliche Gedanken hatte Hoffmann bereits früher, insbesondere in seinem Buch Stimmen der Weissagung über Babel und das Volk Gottes ausgeführt. Nun schien er, unterstützt von dem kongenialen, aber wesentlich praktischeren Hardegg, seinen Zielen näher zu kommen. Bald formierte sich um Hoffmann und Hardegg eine Gruppe namens Jerusalemsfreunde.

Im Jahr 1852 veranlassten die fortdauernden Angriffe der Amtskirche die Gebrüder Paulus, sich von der Leitung der Warte zurückzuziehen. Hoffmann wurde ihr alleiniger Herausgeber und die Zeitschrift zum Organ der Jerusalemsfreunde. Beispielhafte Frömmigkeit, Bescheidenheit und Demut sollten seine Anhänger als neues Gottesvolk ausweisen, als dessen eigentliche Heimat er Jerusalem sah. Hier, an der Stätte des Salomonischen Tempels, sollte der neue, geistige Tempel errichtet werden – daher der spätere Name Templer.

Die schwere wirtschaftliche Krise in Württemberg Anfang der 1850er Jahre erleichterte es Hoffmann, mit seinen Ideen großen Widerhall in der Bevölkerung zu finden. Tausende erhofften sich von der Auswanderung ins Gelobte Land eine Besserung ihrer materiellen Lebensverhältnisse. Unterstrichen wird dies durch Zuwachs von Anhängern aus den Gemeinden im Schwarzwald, und aus dem Stuttgarter Raum. Um Unterstützung für seine Auswanderungspläne zu gewinnen, nahm Christoph Hoffmann mit Christian Friedrich Spittler, dem einflussreichen Vorsitzenden der Pilgermission St. Chrischona bei Basel, Kontakt auf. 1853 ließ er sich als Inspektor der Basler Pilgermission anstellen, in der Hoffnung, die finanziell gut gestellte Pilgermission für seine Pläne gewinnen zu können. Sehr schnell traten jedoch Differenzen zwischen der pietistisch geprägten Missionsanstalt und dem apokalyptisch inspirierten Hoffmann offen zu Tage. Nach zweieinhalbjähriger Arbeit in Basel verließ Hoffmann daher die Pilgermission, um 1856 in Württemberg mit Unterstützung seiner Anhänger eine Knaben- und Mädchenschule im Kirschenhardthof (einem Gehöft bei Marbach) zu gründen. Hier sollte die Jugend im Geiste des Tempels erzogen und aus ihrem Kreis die künftigen Sendlinge für das Heilige Land rekrutiert werden.

Im Jahre 1857 beschlossen die Templer, mit Hilfe gesammelter Gelder eine Erkundungsgruppe nach Palästina zu senden. Im Januar 1858 reisten Hoffmann und Hardegg als Vorsteher der Gesellschaft sowie Joseph Bubeck (ein diplomierter Winzer!) ins Heilige Land. Sie kamen am 18. März 1858 in Jaffa an, kurz nach dem internationales Aufsehen erregenden Mord an Friedrich Wilhelm Großsteinbeck (1821-1858), dem ersten deutschen Kolonisten Palästinas und Großonkel des amerikanischen Schriftstellers und Nobelpreisträgers - John Steinbeck.

Der Bischof des englisch preußischen Bistums in Jerusalem Samuel Gobat, der Pädagoge Johann Ludwig Schneller und auch Vertreter des preußischen Konsulats standen ihnen auf ihrer Reise durch das Land beratend zur Seite. Während Hoffmann vor allem Interesse für heilige Stätten bekundete, achtete Hardegg stärker auf die Probleme, die bei einer geplanten Ansiedlung zu erwarten waren. Vor allem die feindselige Gesinnung der Bevölkerung und die ablehnende Haltung der osmanischen Regierung bewogen ihn, Hoffmann davon zu überzeugen, die Siedlungspläne vorläufig aufzuschieben und nur eine Vorhut nach Palästina zu entsenden.

1859 entschlossen sich die Jerusalemsfreunde, vier junge Männer vom Kirschenhardthof auf diesen beschwerlichen Weg zu schicken. Als Empfehlungsschreiben hatte jeder der Kandidaten von Hoffmann ein Zeugnis über die Dauer seiner Ausbildung am Kirschenhardthof erhalten. Am 6. März 1860 brachen die ersten Templer nach Palästina auf, um wenige Tage vor Ostern in Jerusalem einzutreffen. Hier bemühten sie sich mehrere Monate vergeblich, Arbeit zu finden. Erst durch die Vermittlung des württembergischen Missionars Johannes Zeller (1830–1902) und seines Mitarbeiters Jakob Huber, die beide im Dienst der englischen Church Missionary Society standen, gelang es ihnen, beruflich in Nazareth als Lehrer und Handwerker Fuß zu fassen. Von hier aus versuchten sie, landwirtschaftlich geeignete Ländereien für die geplante Templersiedlung zu erkunden. Ihrem auf Anraten Zellers unternommenen Versuch, sich in Sinchar in der Jesreel-Ebene anzusiedeln, war allerdings kein langer Erfolg beschieden. Als die erwartete finanzielle Unterstützung aus Deutschland ausblieb, kehrten drei der Brüder nach Jerusalem zurück: Christian Eppinger (1833-1918) und Carl Heuschele (1832-1894) traten in Schnellers Dienste, ersterer als Lehrhilfskraft für die Erziehung der Waisen, letzterer als Bauaufseher der Anstalt. Sonderecker arbeitete als Handwerker in Jerusalem. Nur Philipp Hochstetter (1820-1860) blieb in Nazareth, starb aber schon im Mai 1860 an Malaria.

Trotz dieser eher negativen ersten Erfahrungen entschlossen sich die Templer einige Jahre später, ins Heilige Land auszuwandern. Zu dieser Entscheidung trugen die Entwicklungen in Württemberg entscheidend bei. Auf dem Kirschenhardthof hatte Hoffmann 1859 eine Gruppe von Jugendlichen, trotz des Verbots der Landeskirche, eigenmächtig konfirmiert. Daraufhin wurde er aus der württembergischen Landeskirche ausgeschlossen. Aus Protest traten daraufhin 1861 alle Mitglieder der Templergemeinde ihrerseits aus der Landeskirche aus. So wurde der Deutsche Tempel zu einer selbständigen religiösen Gemeinschaft mit Hoffmann als Bischof und Hardegg als Vorsitzendem. Die evangelische Landeskirche versuchte in den folgenden Jahren mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, die Anhänger der Templer zu bekämpfen. Der entscheidende Erfolg blieb ihr aber versagt.

Der Krieg zwischen Preußen und Österreich 1866 sollte schließlich zum Wendepunkt in der Geschichte der Tempelgesellschaft werden. Um nicht zum Militär eingezogen zu werden, beschlossen mehrere Gruppen von Templern, Württemberg zu verlassen. Einige emigrierten in den Kaukasus, andere in die Vereinigten Staaten; eine kleine Gruppe beschloss, auf eigene Verantwortung nach Palästina auszuwandern, wo sie sich in Chunefis und Sammunije in der Jesreel-Ebene bei Nazareth ansiedelte. Durch die Eigeninitiative dieser Gruppe, die gegen den erklärten Willen Hoffmanns und Hardeggs gehandelt hatte, erhielten die Palästinapläne insgesamt neuen Auftrieb – zumal auch amerikanische Kolonisten aus Maine unter Pfarrer George Jones Adams sich 1866 bei Jaffa angesiedelt hatten. 1868 beschlossen die Vorsteher der Tempelgesellschaft daher, die Auswanderung endgültig in Angriff zu nehmen. Sie eröffneten eine Missions- und Ansiedlungskasse. Eine Kommission hatte zu entscheiden, wer wann auswandern durfte. Hoffmann und Hardegg, die als erste nach Palästina auswanderten, fuhren nach Konstantinopel und versuchten, von der Hohen Pforte einen Ferman (Erlaubnis) zu erhalten, sich im Land ansiedeln zu dürfen. Als dies misslang, setzten sie gleichwohl ihre Reise nach Palästina fort. In Beirut trafen sie den Generalkonsul des Norddeutschen Bundes, Theodor Weber (1816-1893), der ihnen riet, sich in Haifa anzusiedeln. Da hier schon Christen lebten, die klimatischen Verhältnisse günstig waren und militärischer Schutz dank der Kriegsschiffen zugänglichen Bucht von Haifa möglich schien, wurde hier die erste Siedlung der württembergischen Templer im Heiligen Land gegründet. Bis 1906 entstanden fünf weitere Siedlungen der württembergischen Templer, Jaffa (1869), Sarona (1871), Jerusalem (1873), Wilhelma (1902) und Bethlehem-Galiläa (1906). Die Blütezeit all dieser Kolonien lag im ausgehenden 19. Jahrhundert bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. 1917 wurden die deutschen Siedler, die aufgrund des Bündnisses des Deutschen Reiches mit der Hohen Pforte aktiv in Kampfhandlungen verwickelt waren, von der englischen Regierung in Helluan (Ägypten) interniert. Erst 1921/22 konnten sie in ihre Siedlungen zurückkehren, die flächen- und bevölkerungsmäßig jedoch weitgehend auf dem Vorkriegsstand stehen blieben. Versuche, bei Akko und Beitsan neue landwirtschaftliche Kolonien zu errichten, scheiterten. Emotional wie politisch fühlten sich die deutschen Siedler in Palästina in hohem Maße ihrer alten Heimat verbunden. Dies erklärt, wieso im Laufe der 1930er Jahre mehr als 30% der Palästinadeutschen sich der NSDAP anschlossen und eine eigene Landesgruppe, die NSDAP-Landesgruppe Palästina, ins Leben riefen. 1939, noch vor Beginn des Zweiten Weltkrieges, wurden zahlreiche jüngere Männer in die Wehrmacht eingezogen und verließen daher das Land. Mit Kriegsausbruch kam auch das Ende der Kolonien: Alle noch im Land verbliebenen Palästinadeutsche, Siedler wie Missionare, wurden von den britischen Mandatsbehörden interniert, ein Teil nach Australien verbracht, ein Teil gegen Juden aus dem deutschen Machtbereich ausgetauscht. Die wenigen hundert Personen, die nach Kriegsende noch im Heiligen Land verblieben waren, wurden vor der Gründung des Staates Israel 1948 von der britischen Mandatsregierung nach Zypern verbracht, wo sie entscheiden konnten, ob sie nach Deutschland zurückkehren oder nach Australien übersiedeln wollten. Die Mehrzahl von ihnen entschloss sich zur Auswanderung nach Australien, wo heute die meisten der ehemaligen Palästinadeutschen leben.

3: Die württembergischen Templerkolonien

3.1: Bethlehem Galiläa

Die Modalitäten der Entstehung der von Haifa aus gegründeten Kolonie Bethlehem-Galiläa sind durch den erhaltenen Kaufvertrag außerordentlich präzise nachvollziehbar: Am 19. Mai 1906 kauften AbrahamDück, Besitzer des größten Handelshauses in Haifa, und Baurat Dr. GottliebSchumacher (1857-1925) im Auftrag der Zentralleitung des Tempels das Landgut Bet-Lahem bei Schefar-Amr mit einem Messgehalt von 6150 Dunum um den Preis von 130.000 Franken von der Familie Sursouck, arabischen Großgrundbesitzern aus Beirut. Der Verkäufer selbst war bei Abschluss des Vertrages nicht zugegen, sondern ließ sich durch seinen Schwager Schehadi vertreten. Vermessung und Parzellierung des neu erworbenen Landes zogen sich, bedingt durch bürokratische Hindernisse, in die Länge, so dass erst Ende Oktober 1906 die Verlosung der einzelnen Parzellen an die zukünftigen Kolonisten beendet werden konnte.

Bei der Vermessung hatte Baurat Gottlieb Schumacher das ackerbaufähige Land in zehn Gewanne eingeteilt, das Berg- und Waldland hingegen als Gemeindebesitz belassen. Die zehn Gewanne des Ackerlandes wurden entsprechend der Anzahl von 23 beteiligten Siedlern jeweils in neun ganze und vierzehn halbe Parzellen geteilt und unter den Teilhabern verlost. Einem jeden von ihnen fielen dementsprechend von einem ganzen Losanteil etwa 100 und von einem halben Losanteil etwa 50 württembergische Morgen Ackerland zu. Die Kosten für einen der 34 Bauplätze mit je 16.000 qm Messgehalt wurden auf 8800 Mark für ein ganzes und auf 4400 Mark für ein halbes Losanteil festgesetzt.

Unmittelbar nach der Besitzergreifung konnten die Kolonisten das Land bestellen, da die Witterung während der ersten Wintermonate noch so günstig war, dass ein Teil des Landes mit Wintersaaten bestellt und ein weiterer für die Sommersaaten vorbereitet werden konnte. Die Kolonisten lebten in Bethlehem-Galiläa hauptsächlich von Ackerbau, Anbau von Gemüse, Viehzucht, Milchwirtschaft und Weinbau sowie Waldwirtschaft im unteren Galiläa. Für die Bewässerung der Felder wurde schon in den ersten Jahren des Bestehens der Kolonie ein Wasserturm errichtet, während das auch als Schule dienende Gemeindehaus erst während des Ersten Weltkrieges fertiggestellt werden konnte.

3.2: Haifa

Die erste der Templersiedlungen im Heiligen Land entstand auf Anraten des Konsuls des Norddeutschen Bundes in Haifa. Als Hoffmann und Hardegg am 30. Oktober 1868 in Haifa eintrafen, beschlossen sie, den Ort als Vorposten und Empfangsstation für künftige Einwanderer einzurichten. Aus den misslungenen Siedlungsversuchen der Kirschenhardthof-Zöglinge in der Jesreel-Ebene sowie einer amerikanischen Kolonie in Jaffa zog Hoffmann den Schluss, strengste Auswahlkriterien an die zukünftigen Auswanderungswilligen zu legen.


Blick vom Karmelberg auf die Stadt Haifa, die Deutsche Kolonie und Bat-Galim, 1933

Fotograf: Paul Hommel. Landeskirchliches Archiv Stuttgart, Bildersammlung, Nr. 2234

Für die zukünftige Siedlung wurde ein großes, sich vom Meer bis zu den Hängen des Karmel erstreckendes Gebiet erworben und städtebaulich erschlossen. Eine breite Straße führte von der Bucht von Haifa durch die Siedlung bis zum Berg Karmel, kleinere Straßen führten von der Hauptstraße zu den einzelnen Grundstücken. Als erstes Gebäude wurde 1869/70 ein Gemeindehaus errichtet. Die gesamte Siedlungsfläche wurde, modernen städtebaulichen Erfordernissen Rechnung tragend, in drei Abteilungen geteilt. Im nördlich gelegenen unteren Bezirk wurden überwiegend Industrie- und Handwerksbetriebe sowie öffentliche Gebäude, Hotels und Herbergen angesiedelt. Im mittleren Bezirk wohnten Bauern und Handwerker, während die Häuser der Winzer unmittelbar am Abhang des Karmelberges bei ihren Weinbergen am Südrand der Kolonie standen. Sechs Jahre nach ihrer Gründung zählte die Kolonie fast 250 Einwohner, mehr als 40 Wohnhäuser waren neu errichtet worden. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht verzeichnete das junge Gemeinwesen einen raschen Aufschwung: An den Hängen des Karmel wurde Wein angebaut, in Landwirtschaft und Viehzucht wurden neue, in Palästina bislang unbekannte Wege beschritten. In der nahe gelegenen Zweigniederlassung Neuhardthof wurden Weizen, Hülsenfrüchte, Wassermelonen und Wein angebaut, die teils für den Bedarf der Kolonie selbst bestimmt waren, teils in Haifa vermarktet wurden. In der Kolonie eröffneten binnen kurzem mehrere Geschäftshäuser, in denen unter anderem Haushaltsgeräte, Baumaterialien, landwirtschaftliche Maschinen und anderes mehr vertrieben wurden. Die Kolonie war nicht nur weitgehend autark, einige der ansässigen Handwerker (Schlosser, Schreiner und Seidensieder) unterhielten auch zu der arabischen und jüdischen Bevölkerung in Haifa rege Geschäftsbeziehungen. Die engen Kontakte zur alten Heimat ermöglichten es den Templern überdies, sich erfolgversprechend im aufkommenden Tourismus zu betätigen. Mehrere Gemeindeglieder betrieben einfache Pensionen, in denen vornehmlich evangelische Pilger beherbergt wurden, und an der Straße nach Jaffa entstand ein Hotel, das europäischen Ansprüchen genügte. 1905 erhielt Haifa Anschluss an die Hedschasbahn, die die türkische Hauptstadt Istanbul mit Mekka verband. Hierdurch stieg Haifa zum Umschlagplatz für die Warenströme auf, die aus dem palästinensischen Hinterland für den Export nach Europa bestimmt waren. Für die rege Handelstätigkeit der deutschen Siedler und ihr Engagement im aufblühenden Tourismus war dies von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

3.3: Jaffa

Noch vor der Gründung der Kolonie Jaffa als zweitem Siedlungsmittelpunkt der Templer standen die immer offener zu Tage tretenden Meinungsverschiedenheiten zwischen den führenden Persönlichkeiten der Gemeinde, Hoffmann und Hardegg im Raum. Als 1869 die Gebäude der aufgegebenen amerikanischen Kolonie Jaffa sowie das von dem deutschen Missionar Peter Martin Metzler gegründete Krankenhaus zum Verkauf standen, nutzte Hoffmann die Gelegenheit, Haifa seinem Mitstreiter und Konkurrenten Hardegg zu überlassen und selbst in Jaffa einen neuen Missionsposten aufzubauen. Das nur 2,5 ha große Gelände auf einem kleinen Hügel nordöstlich der alten Stadt, inmitten der Orangengärten Jaffas, war die Keimzelle der neuen Siedlung, die sich durch den Aufkauf von vier Bauerngütern rasch vergrößerte. Anders als in den sonstigen Templersiedlungen war Landwirtschaft in Jaffa von nur untergeordneter Bedeutung. Von den 35 Familien, die sich bis 1875 in Jaffa niederließen, waren 23 mit insgesamt 60 Bediensteten in Handel, Gewerbe und Industrie sowie Tourismus und Verkehrswesen tätig. 1885 wurden nahe der Altstadt Jaffas weitere Wohnhäuser erbaut, da der zur Verfügung stehende Raum innerhalb der Kolonie nicht mehr ausreichte. Schließlich wurde 1886 die Zweigniederlassung „Walhalla“, ein Kilometer nördlich der ursprünglichen Siedlung, angelegt. Wichtigste Betriebe der neuen Niederlassung waren die Eisengießerei der Gebrüder Wagner aus Mägerkingen auf der Schwäbischen Alb und die Zementfabrik der Gebrüder Wieland aus Bodelshausen. Wagner entwickelte sich zum größten Unternehmen der Region zur Zeit der ausgehenden osmanischen Herrschaft und beschäftigte über hundert Mitarbeiter. Über die Gebrüder Wagner lief in aller Regel auch der Import der Gas- und Petroleum-Motoren aus Köln-Deutz, die zur Bewässerung der Plantagen eingesetzt wurden. Die Gebrüder Wieland importierten Zement aus Heidelberg und produzierten Zementrohre für die Orangen-Plantagen wie auch Bodenplatten und Fertigbauteile wie Balustraden, Treppen und Fensterrahmen.

Von der deutschen Kolonie Jaffa gingen von Anfang an wichtige Impulse für die Entwicklung Palästinas aus. Dies gilt insbesondere für den Bereich der Industrie, verfügte die Kolonie doch über viele wichtige Betriebe im Bau- und Verkehrswesen, aber auch für Handel und Tourismus. Die kulturelle Bedeutung der deutschen Kolonie Jaffa wird nicht zuletzt durch diejenigen Einrichtungen unterstrichen, die es eben nur hier gab, so das erste archäologische Museum Palästinas, gegründet durch Plato von Ustinov der Großvater des Schauspielers Peter Ustinov, einen botanischen Garten, einen Tiergarten und vieles mehr. Einen besonderen Aufschwung nahm die Entwicklung Jaffas zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als im neu errichteten Viertel Walhalla deutsche Fabriken gebaut wurden. Die dabei beteiligten Unternehmen spielten eine bedeutende Rolle bei der wirtschaftlichen Modernisierung des Landes.

3.4: Jerusalem

Die Kolonie Jerusalem war die einzige der ersten vier Siedlungen der Templer, die nicht an der Küste Palästinas lag. Dass die Templer sich hier niederließen, lag einzig und allein in der Anziehungskraft der Heiligen Stadt begründet. 1871 waren schon 25 Templer in Jerusalem ansässig, meist ledige Handwerker wie Schuster, Sattler, Schmiede, Tischler usw. In aller Regel lebten sie in Mietwohnungen in Jerusalem. Nur wenige wie der Müller Matthäus Frank (1846–1923), der sich 1873 in der Rephaim-Ebene südwestlich der Altstadt Jerusalems niedergelassen hatte, wohnten außerhalb der Stadt. Seinem Beispiel folgten andere Templer nur sehr zaghaft. Erst als Christoph Hoffmann 1877 den Beschluss zur Übersiedlung nach Jerusalem durchsetzte, um hier an der Stätte des Salomonischen Tempels seine ursprüngliche Idee eines geistigen Tempels zu verwirklichen, sollte die neue Kolonie der Templer in der Rephaim-Ebene entstehen.


Schüler und Lehrer des deutschen Gymnasiums der deutschen Kolonie in Jerusalem, 1929

Fotograf: Paul Hommel. Landeskirchliches Archiv, Bildersammlung, Nr. 2043

Die Übersiedlung nach Jerusalem war freilich mit großen Kosten verbunden. Hoffmann, der die Ansiedlung in Jerusalem um jeden Preis durchsetzen wollte, musste daher seine ganze Überzeugungskraft und Autorität einsetzten, um sein Ziel zu erreichen. Er drohte sogar mit seinem Rücktritt als Vorsteher der Tempelgesellschaft, sollte seinen Plänen die Zustimmung versagt werden. Wohlhabende Mitglieder des Tempels spendeten daraufhin große Geldsummen, so dass der Schritt von Jaffa nach Jerusalem durchgeführt und im November 1877 mit dem Bau eines Schulgebäudes, des so genannten Tempelstiftes, begonnen werden konnte. Der Ausbau der neuen Kolonie, in der sich Templer aus Jaffa und den anderen Kolonien niederließen, schritt nun rasch voran, so dass Hoffmann am 25. April 1878 seinen Wohnsitz von Jaffa nach Jerusalem verlegen konnte. Einige Tage später folgten ihm die Lehrer der ehemaligen Templerschule in Jaffa mit ihren Familien. Am 9. Mai 1878 wurde ihr Gepäck, sowohl ihr privater Besitz wie auch die gesamte Schuleinrichtung, nach Jerusalem befördert. Mehr als 100 Kamele wurden benötigt, um diesen Umzug durchführen zu können. Mit Hoffmanns Umzug und der Verlegung des Tempelstifts wurde Jerusalem zum geistigen Zentrum der Templer in Palästina mit Sitz der Zentralleitung. 1882 konnte neben der Schule auch ein Gemeindesaal eingeweiht werden.


Hauptstraße der deutschen Kolonie in Jerusalem, 1929

Fotograf: Paul Hommel. Landeskirchliches Archiv Stuttgart, Bildersammlung, Nr. 2348

Die zentrale Funktion der neuen Kolonie schlug sich auch in der Erwerbsstruktur der hier sesshaften Templer nieder. Viele von ihnen waren als Lehrer oder sonstige Mitarbeiter am Tempelstift tätig. Ansonsten waren die Jerusalemer Templer vielfach Kaufleute oder Handwerker, zu deren wichtigster Klientel die wohlhabenden arabischen Einwohner Jerusalems sowie ausländische Touristen zählten.

3.5: Sarona

Im Jahre 1871 gelang es Christoph Hoffmann, drei Kilometer nordöstlich von Jaffa 60 ha Land zu erwerben. Nach der Saron-Ebene, in der sie lag, erhielt die neu errichtete Ackerbaukolonie den Namen Sarona. Am 27. August wurde die von Theodor Sandel, dem Sohn des Arztes Dr. Gottlob David Sandel (1817-1879), geplante Kolonie eingeweiht (sie liegt heute im Gebiet der 1909 gegründeten Stadt Tel-Aviv). Das Gebiet wurde in 18 Parzellen aufgeteilt, eine Kreuz- und eine Querstraße teilten die Kolonie in vier Teile. An der zentralen Kreuzung inmitten der Gemeinde wurden vier Parzellen für gemeinnützige Bauten reserviert, von denen bereits im Februar 1873 das Gemeindehaus mit einer Schule eingeweiht werden konnte. Das Gebäude bekam 1885 einen Uhren- und Glockenturm.


Deutsche Kolonie Sarona mit Felder, 1930

Fotograf: Paul Hommel. Landeskirchliches Archiv Stuttgart, Bildersammlung, Nr. 2578

Die Anfänge der Siedlung erwiesen sich in der ungesunden Landschaft des Wadi el Musrara mit seinen zahlreichen Sümpfen als außerordentlich schwierig. Viele Siedler in Sarona und auf den benachbarten Gütern erkrankten an Malaria, Ruhr (Dysenterie) und Typhus. In den ersten drei Jahren starben insgesamt über 55 Siedler (ca. die Hälfte der Erstansiedler). Hinzu kamen Familienmitglieder auf den benachbarten Nebengütern, etwa der Modelfarm der Familien Sickinger und Weinmann, der Mount Hope der Familie Lutz und dem Röhmshof. Im Jahr 1875 war die Zahl der Siedler auf 80 Personen gesunken, das Fortbestehen der Kolonie dadurch bedroht. Erst nachdem es gelungen war, mit Hilfe importierter Eukalyptusbäume die Sümpfe trocken zu legen, war das Gedeihen der Siedlung gesichert. Innerhalb von zwei Jahrzehnten entwickelte sich die Landwirtschaftliche Kolonie Sarona zu einer der blühendsten Kolonien Palästinas. Wurden zunächst vor allem Gerste und Weizen angebaut, spezialisierte man sich später auf den Weinbau. Der hier angebaute Wein wurde überwiegend nach Deutschland exportiert, und zwar mit Hilfe der Ende der 1870er Jahre errichteten Weinkellerei. Im Jahre 1891 wurde eine neue Weinkellerei gebaut und eine weitere kurz vor dem Besuch des Kaisers 1898. Zugleich wurden weitläufige Plantagen angelegt, auf denen vor allem Bananen und Zitrusfrüchte kultiviert wurden. In den ersten Gewächshäusern Palästinas der Familie Orth wurden Gemüse und Obst angebaut und Blumen gezüchtet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Sarona die blühendste deutsche Kolonie des Landes mit einer rasch wachsenden Bevölkerungszahl. Neue Straßenzüge wurden angelegt, weitere öffentliche Gebäude wie das neue Gemeinde- und Schulhaus errichtet. Als einzige der deutschen Kolonien verzeichnete Sarona noch in der britischen Mandatszeit ein erhebliches Wachstum. Es entstanden ungefähr 20 neue Wohnhäuser sowie ein drittes Schulgebäude, die, dem Zeitgeist entsprechend, vom modernen Bauhausstil geprägt waren. Nach Kriegsausbruch 1939 wurde die Kolonie als Internierungscamp durch die Britische Mandatsregierung benutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Kolonie Sarona 1947 an die Stadt Tel-Aviv verkauft.

3.6: Wilhelma

Nach dem Kaiserbesuch im Jahre 1898 wurde in Stuttgart eine Gesellschaft zur Förderung der deutschen Ansiedlungen in Palästina gegründet. Gesellschaftszweck war die aktive Unterstützung der deutschen Kolonisten in Palästina, vor allem durch die Gewährung von Darlehen, die zum Ankauf von Land oder sonstigen wirtschaftlichen Unternehmungen benötigt wurden.

Dank der finanziellen Hilfe durch den Verein war es den Templern möglich, nach langjährigen Verhandlungen mit den arabischen Großgrundbesitzern ein Landstück von acht Quadratkilometern unweit Lydda zu erwerben, um dort 1902 die neue Landwirtschaftskolonie (heute Bnej Atarot) zu gründen. Ein Teil der Templer aus Jaffa und auch aus Sarona siedelte in die Neugründung über, deren ursprünglicher Name – Hamidije-Wilhelma – den Dank der Kolonisten für die drei Personen zum Ausdruck bringen sollte, ohne deren Unterstützung die vierte Templersiedlung im Heiligen Land nicht denkbar gewesen wäre – des türkischen Sultans Abdul Hamid II., des württembergischen Königs Wilhelm und insbesondere des deutschen Kaisers Wilhelm II., des Protektors der deutschen evangelischen Christen im Heiligen Land und ihres eifrigsten Fürsprechers bei der Hohen Pforte.


Ansicht der deutschen Kolonie Wilhelma, 1930

Fotograf: Paul Hommel. Landeskirchliches Archiv Stuttgart, Bildersammlung, Nr. 2594

Mit einer Hauptstraße von 1400 m Länge und 18 m Breite sowie einer zentralen Querachse von 520 m Länge und 12 m Breite war die ebenfalls von Theodor Sandel entworfene Kolonie außerordentlich großzügig geplant – zumal vorerst nur zwei Dutzend Hauptgebäude und ebenso viele Nebengebäude errichtet wurden. Bald besaß die Kolonie 150 Bewohner. 30 Kinder besuchten die anfangs im Gemeindehaus untergebrachte Schule. Vorbildlich waren auch hier die agrartechnologischen Innovationen: Wie in Sarona wurden die neu angelegten landwirtschaftlichen Nutzflächen – Orangen- und Olivenbäume sowie 600 ha Kornfelder, 100 ha Weinreben sowie eine 19 ha große Plantage mit Mandelbäumen – künstlich bewässert. Zudem wurde kurze Zeit später (1909) eine Ackerbauschule zur Entwicklung neuer landwirtschaftlicher Methoden ins Leben gerufen. Gezielt wurde nach Möglichkeiten gesucht, die Ernteerträge durch den Einsatz von Düngemitteln, auch chemischen, zu erhöhen – und dies mit überraschendem Erfolg, lag doch die Produktivität der deutschen landwirtschaftlichen Produktion mit 25:7 deutlich über der der Fellachen. Außerdem wurde versucht, auf die Veredelung der im Heiligen Land gehaltenen Kuhrassen hinzuwirken. Fütterung, aber auch regelmäßige Impfungen trugen dazu bei, dass die von deutschen Siedlern gehaltenen Milchkühe nicht nur wesentlich größer und robuster als die einheimischen Tierrassen waren, sondern auch erheblich mehr Milch gaben.

 

Aktualisiert am: 15.12.2014