Vaihinger, Johann Georg

Von: Quack, Jürgen

JOHANN GEORG VAIHINGER (1802-1879)

Johann Georg Vaihinger

Archiv der Basler Mission, Signatur BMA QS-30.001.0076.01

Er war einer der besten in seiner Klasse im Missionsseminar – und dennoch erhielt er keine Ausreiseerlaubnis. Das Komitee der Basler Mission war streng: nur wer eine stabile Gesundheit hatte, wurde in die Welt geschickt.

Johann Georg Vaihinger wurde am 26. Januar 1802 in Göppingen geboren. Er erlernte dort zunächst den Beruf des Zeug- oder Tuchmachers. Mit 19 Jahren ging er nach Basel ans Missionsseminar. Damals muss seine Gesundheit noch keinen Anlass zur Sorge gegeben haben, denn vor der Aufnahme wurde geschaut, ob die Bewerber „in physischer, intellektueller, moralischer und religiöser Hinsicht tauglich“ sind. So sah es der Studienplan vor. Während der Ausbildung wurde seine außerordentliche Sprachbegabung festgestellt: er lernte nicht nur Englisch und Holländisch – als Vorbereitung für den Dienst in einer holländischen oder englischen Missionsgesellschaft – sondern auch Griechisch und Hebräisch, um später die Bibel aus der Ursprache übersetzen zu können. Als es sich gegen Ende der Ausbildung abzeichnete, dass er in den Orient gesandt werden sollte, da lernte er auch noch Arabisch

Im Sommer 1825 wurde er für den Dienst „unter den Muslimen“ in der „Persischen Mission“ bestimmt. Dafür wurde er beim Missionsfest in Basel eingesegnet und am 3. August ist Stuttgart ordiniert. Doch dann entschied das Komitee: er ist nicht gesund genug. Keine Ausreise! – Es war ein schweres Augenleiden, das dafür den Ausschlag gab. Auf Grund seiner guten Leistungen und Fähigkeiten bot ihm das Komitee stattdessen an, er sollte als Hilfslehrer am Seminar in Basel bleiben. Er nahm den Vorschlag an und war von 1826 bis 1830 im Missionshaus tätig.

Weil er jedoch keine Aussicht auf eine feste Anstellung in Basel hatte, beantragte er nach einigen Jahren die Übernahme in den Pfarrdienst der württembergischen Kirche. Da er nicht an der Universität studiert hatte, musste er 1830 in Stuttgart eine theologische Dienstprüfung machen, die er mit bestem Ergebnis bestand. Danach wurde er als Vikar zum alten Pfarrer Christoph Friedrich Gerok nach Ofterdingen im Steinlachtal in der Nähe von Tübingen geschickt.

Der Kontakt nach Basel und die Liebe zur Mission dauerten an. Beim 1819 in Tübingen gegründeten Missionsverein wurde mit Freude vermerkt, dass Vaihinger in seiner Gemeinde eine Missionsstunde einführte und auch den Pfarrer Friedrich Mögling in Mössingen anregte, das gleiche zu tun. Dazu warb er auch Spenden für die Mission und beherbergte Zöglinge des Missionsseminars auf ihren Wanderungen von und nach Basel.

1832 wurde Vaihinger Pfarrverweser und ein Jahr später Pfarrer im nahen Grötzingen (bei Nürtingen). 1841 beteiligte er sich an der Gründung des „Medicinischen Missions-Instituts“ in Tübingen, dem Vorläufer des heutigen Deutschen Instituts für ärztliche Mission (DIFÄM). 1842 kam er zurück ins Steinlachtal und wurde Pfarrer in Nehren. Dort entfaltete er eine umfangreiche diakonische Tätigkeit: er gründete einen Armenverein als Träger einer Sparkasse und einer Leihanstalt. In den Hungerjahren 1847/48 richtete er eine Suppenküche ein und setzte sich bei staatlichen Stellen für eine bessere Armenhilfe ein. Daneben veröffentlichte er im Lauf der Jahre fünf Bände der dichterischen und poetischen Schriften des Alten Testament „metrisch übersetzt und erklärt“ – ein wissenschaftliches Meisterstück. Davon schickte er jeweils einige Exemplare nach Basel, um sie den künftigen Missionaren für ihren Dienst mitzugeben. Wenn er schon nicht selbst ausreisen konnte, so wollte er wenigstens die Brüder in ihrer Arbeit unterstützen. 

Auch in den wissenschaftlichen Streit der Zeit griff er ein. 1835 hatte David Friedrich Strauß sein Buch „Das Leben Jesu, kritisch bearbeitet“ veröffentlicht. Sofort reagierte Vaihinger mit einer Schrift „Über die Widersprüche, in welche sich die mythische Auffassung der Evangelien verwickelt: ein Sendschreiben an Herrn David Friedrich Strauß“ (1836).

Vaihinger war zweimal verheiratet. In Grötzingen vermählte er sich 1834 mit Henriette geb. Ficker, die in 15jähriger Ehe neun Kinder gebar. Nach deren Tod 1851 heiratete er Sophie geb. Haug. Von den wohl 15 Kindern aus diesen beiden Ehen Vaihingers starben viele bald nach der Geburt.

1862 wechselte er als Pfarrer nach Kochersteinsfeld. 1866 ging er in den Ruhestand und zog nach Cannstatt, wo er 1879 starb.

Aktualisiert am: 04.06.2024