Deutsches Institut für ärztliche Mission (Difäm)

Von: Eisler, Jakob

Inhaltsverzeichnis
  1. Einführung
  2. 1: Vorgängerinstitutionen
  3. 1.1: Medizinisches Missionsinstitut Tübingen
  4. 1.2: Paul Lechler – sozialer Reformer
  5. 1.3: Verein für Ärztliche Mission - Stuttgart
  6. 2: Das Deutsche Institut für Ärztliche Mission
  7. 2.1: Gründung
  8. 2.2: Ausstellung zum 25jährigen Jubiläum des Difäm
  9. Arbeitsgebiete der Missionsärzte
  10. 2.3: Das Difäm in der Zeit des Nationalsozialismus
  11. Nachkriegsjahre
  12. 2.4: Neuere Entwicklungen 1970–1980
  13. 2.5: Von 1980 bis heute
  14. 3: Das Tropengenesungsheim (die Tropenklinik)
  15. 3.1: Von der Gründung des Tropengenesungsheimes bis 1945
  16. 3.2: Entwicklung der Tropenklinik 1945-1980
  17. Von der Tropenmedizin zur Geriatrie
  18. Anhang

Einführung

Die Anfänge der Ärztlichen Mission liegen im 18. Jahrhundert, als die Herrnhuter Brüdergemeine Ärzte in ausländische Missionsstationen entsandte. Den großen Anstoß für die moderne Ärztliche Mission gab der amerikanische Arzt Peter Parker durch seine Vorträge in England, Schottland und in den USA, in denen er die Notwendigkeit einer Ärztlichen Mission bekräftigte. Vor diesem Hintergrund wurde 1841 der Hauptsitz der „Gesellschaft zur Aussendung von Missionsärzten in fremde Länder" in Edinburgh gegründet.

Im deutschsprachigen Raum übernahm die Basler Mission die Einführung der Ärzte in die Missionsarbeit. 1885 entsandte die Gesellschaft Dr. Rudolf Fisch an die Goldküste und im Folgejahr Dr. Georg Eugen Liebendörfer nach Indien. Die Rheinische Mission wurde 1888 im medizinischen Bereich in China tätig, wo ein vorbildliches Missionshospital in Tunkung entstand. Erst durch die Unterstützung von Paul Lechler jedoch wurde die ärztliche Arbeit bei den deutschen Missionsgesellschaften institutionalisiert.

1: Vorgängerinstitutionen

1.1: Medizinisches Missionsinstitut Tübingen

Landeskirchliches Archiv Stuttgart, Bildersammlung DIFÄM

Im Oktober des Jahres 1841 wurde auf Betreiben von Persönlichkeiten aus dem Umfeld der pietistischen Erweckungsbewegung in Württemberg wie Wilhelm Hoffmann und Christian Gottlob Barth die Gründung des „Medizinischen Missions-Instituts" durch Dr. Georg Friedrich Müller in Tübingen initiiert. Der aus Calw stammende Arzt, in dessen Haus das Calwer Missions-Blatt und das Basler Missionsmagazin sowie weitere Missions-Zeitschriften gelesen wurden, erkannte die Problematik der medizinischen Unterversorgung in den potentiellen Zielgebieten:

„Christlich gesinnte Jünglinge sollten in beschränkter Zahl zu wissenschaftlichen Ärzten herangebildet werden, um nach vollendeten Studien als Missions-Ärzte in der Heidenwelt zu dienen."

Versuche Müllers, in den Franckeschen Stiftungen in Halle an der Saale und anderen europäischen Missionseinrichtungen finanzielle Unterstützung zu erhalten, blieben jedoch erfolglos, so dass das Institut seine Pforten Ende 1848 bereits wieder schließen musste. Erst 50 Jahre später gelang es von deutscher Seite aus, einen „Verein für Ärztliche Mission" in Stuttgart zu gründen.

1.2: Paul Lechler – sozialer Reformer

Landeskirchliches Archiv Stuttgart, Bildersammlung DIFÄM

Paul Lechler (1849–1925) übernahm 1871 als Teilhaber die Lack- und Firnisfabrik seines Vaters und baute diese zu einem gutgehenden Unternehmen aus. Bereits im Alter von 26 Jahren beschloss er, zehn Prozent seines Unternehmensgewinns kirchlichen und sozialen Organisationen zur Verfügung zu stellen. Immer intensiver widmete er sich karitativen Aufgaben, u.a. in der Stuttgarter Armenpflege. So initiierte und finanzierte er 1882 den Bau des früheren Martinshauses samt Kapelle und einer Kinderschule auf der Prag. Er rief die erste private Stuttgarter Arbeitsvermittlung ins Leben und engagierte sich im sozialen Wohnungsbau. 1887 gründete er den „Verein zur Hilfe in außerordentlichen Notfällen auf dem Lande". Er kaufte und stiftete 1890 das Palmenwald-Gelände in Freudenstadt zur Errichtung eines christlichen Erholungsheims. Doch weitaus größere Bedeutung erhielt er durch die Gründung des „Vereins für Ärztliche Mission" in Stuttgart, die 1906 zur Errichtung des „Deutschen Instituts für Ärztliche Mission" führte, und die finanzielle Unterstützung, die die Gründung der Tübinger Tropenklinik ermöglichte.

1.3: Verein für Ärztliche Mission - Stuttgart

Die Begegnung mit dem ehemaligen Missionsarzt der Basler Mission Dr. Georg Eugen Liebendörfer im Jahr 1898 und dessen Berichte über die Missstände in Indien veranlassten Lechler zur Gründung des „Vereins für Ärztliche Mission" in Stuttgart. Er sollte zur besseren Ausbildung der Missionsärzte und der tropenmedizinischen Schulung von Missionaren beitragen. Nach diesem Vorbild wurden verschiedene Zweigvereine in Deutschland und der Schweiz gegründet und ab 1906 eine Fachzeitschrift („Die Ärztliche Mission") herausgegeben. Lechler bestimmte einen hauptamtlichen Geschäftsführer, so dass von Anfang an größere Geldsummen zur Verfügung standen. Der Verein gab auch die „Mitteilungen aus der Ärztlichen Mission" heraus, in denen über die Unterstützung von Missionsärzten berichtet wurde. Im Jahre 1966 wurde der Verein zum korporativen Mitglied des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission. Ende 1972 wurde die Auflösung des Vereins beschlossen, da der Vereinszweck nach § 3 der Satzung vom DIFÄM wahrgenommen werden konnte.

2: Das Deutsche Institut für Ärztliche Mission

2.1: Gründung

Landeskirchliches Archiv Stuttgart, Bildersammlung DIFÄM

Im Jahr 1906 wurde auf Initiative und mit tatkräftiger sowie finanzieller Unterstützung des Unternehmers Paul Lechler (1849-1925) in Frankfurt am Main das „Difäm" (Deutsches Institut für Ärztliche Mission) mit dem Ziel gegründet, ausreisende Ärzte und Pflegekräfte sowie Theologen der verschiedenen Missionsgesellschaften auf ihren Auslandsaufenthalt vorzubereiten. Aufgabe des DIFÄM sollte die Ausbildung der Ausreisenden in Tropenmedizin bzw. die Vermittlung von medizinischem Basiswissen sein.

Die Gründung des Vereins „Deutsches Institut für Ärztliche Mission" und die festliche Einweihung des Institutsgebäudes, einer Ausbildungsstätte für Missionsärzte und Missionsschwestern, die im Oktober 1909 in Tübingen erfolgte, stellte einen Höhepunkt in Lechlers Leben dar. Bereits im folgenden Jahr konnten in Kooperation mit der Universität Tübingen die ersten Ärzte im Institut ausgebildet werden. Als notwendige Ergänzung entstand 1916 das Tropengenesungsheim in Tübingen, die heutige Tropenklinik Paul-Lechler-Krankenhaus, die als Spezialklinik für Tropenkrankheiten einen weit über Missionskreise hinausgehenden ausgezeichneten internationalen Ruf genießt. Heimkehrende Missionare und Missionsärzte sowie deren Familien sollten sich hier erholen und behandeln lassen können. Im Jahr 1937 wurde auf diesem Gelände ergänzend ein Tropenkinderheim gegründet.

2.2: Ausstellung zum 25jährigen Jubiläum des Difäm

Landeskirchliches Archiv Stuttgart, Bildersammlung des DIFÄM

Anlässlich des 25jährigen Bestehens im Jahr 1930 beschloss das Difäm, eine Ausstellung zu konzipieren. Ziel war es, organisatorische Probleme darzustellen, mit denen Ärzte und medizinisches Personal in den Tropen zu kämpfen hatten. Hier seien vor allem logistische und finanzielle Probleme genannt sowie Schwierigkeiten, dem Pflegepersonal und den Patienten effektiv medizinische und hygienische Grundkenntnisse zu vermitteln. Unter Berücksichtigung der ärmlichen Verhältnisse vor Ort versuchte das Difäm die medizinische Versorgung mit möglichst geringem finanziellem Aufwand für die dortige Bevölkerung zu bewerkstelligen.

Die Ausstellung gliederte sich in sechs Themenschwerpunkte:

1. Deutsche evangelische Ärztliche Mission

2. Difäm und Schwesternheim

3. Tropengenesungsheim (Die Tropenklinik)

4. Deutsche Evangelische Missionsärzte

5. Deutsche Tropenärzte

6. Tropenkrankheiten und Heilung

Fotos deutscher Missionsärzte und missionsärztlicher Stationen im Ausland sowie speziell für diesen Anlass in Auftrag gegebene Modelle einiger Missionskrankenhäuser, des Difäm und der Tropenklinik rundeten das Bild ab.

Daneben bereicherten Gegenstände aus der unmittelbaren Arbeit im Ausland wie etwa Zelte, Feldbetten, Ärztetaschen und sonstiges Mobiliar diese Ausstellung. Einem internationalen Publikum wurde die Ausstellung im Jahr 1931 mit der Angliederung an die internationale Ausstellung für Hygiene in Dresden gezeigt, die dort im Jahr zuvor eröffnet worden war.

2.3: Das Difäm in der Zeit des Nationalsozialismus

Die Machtübergabe an die Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde vor allem von den Difäm-Studenten mit Begeisterung aufgenommen. Zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 heißt es auch in der vom Difäm herausgegebenen Zeitschrift „Die ärztliche Mission" enthusiastisch: „Der Führer hat zu der Fahne gerufen. Deutscher Brüder Qual endlich zu enden, ist ihm zur Pflicht geworden."

Gegen die staatliche Gleichschaltung hatte hauptsächlich das Tropengenesungsheim zu kämpfen. So beanstandete der Tübinger NSDAP-Kreisleiter Hans Rauschnabel, dass im Tropengenesungsheim keine Schwestern aus der NS-Schwesternschaft im Einsatz waren, sondern Kaiserswerther Diakonissen. 1939 wurde ein Teil des Institutsgebäudes beschlagnahmt und ein städtisches Hilfskrankenhaus für Zivilkranke eingerichtet. 1942 kam ein Lazarett der Wehrmacht hinzu, das bis 1945 etwa 90 Betten umfasste. Durch eine Verständigung mit dem NSDAP-Politiker und Bundesführer des Reichskolonialbundes Franz Ritter von Epp wurde die Zwangsenteignung des Tropengenesungsheims jedoch verhindert.

Bereits 1938 hatte man sich von dem ärztlichen Leiter des Tropengenesungsheims und ehrgeizigen Nationalsozialisten Prof. Dr. Otto Fischer getrennt. Er war unter anderem aufgrund von Verleumdungen gegen die Difäm-Leitung nicht mehr tragbar gewesen.

Nachkriegsjahre

Während des Zweiten Weltkriegs diente das Difäm-Gebäude als Hilfskrankenhaus. Im Jahre 1946 nahm das Institut seine reguläre Arbeit wieder auf. Das Difäm zog in die Räume des ehemaligen Kinderheims in der Paul-Lechler-Straße auf dem Gelände des Tropenheims. Dieses entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem Krankenhaus mit den Schwerpunkten Tropen- und Reisemedizin, Innere Medizin und Akutgeriatrie und wurde in den 1990er Jahren umbenannt in „Tropenklinik Paul-Lechler-Krankenhaus".
Im Jahr 1959 begründete der damalige Difäm-Direktor Martin Scheel die Difäm-Arzneimittelhilfe, eine Hilfsaktion für kirchliche Gesundheitsstationen in Übersee, die bundesweit Arzneimittel-Spenden einwarb. Bereits 1961 unterstützte „Brot für die Welt" den Ankauf von Präparaten, die in südlichen Ländern dringend benötigt wurden. Ebenso ließ die Katastrophenhilfe der Diakonie große Sendungen beispielsweise für die Opfer des Biafra-Krieges (Nigeria) über die Difäm-Arzneimittelhilfe bereitstellen. Die Medikamentenhilfe des Difäm erreichte 1969 einen Umfang von 8 Mio DM. Heute wird der allergrößte Teil der Medikamente vor Ort über kirchliche Zentralapotheken beschafft. In den Jahren 1963 und 1967 fanden im Difäm zwei internationale Tagungen zur Frage nach der Aufgabe der Kirchen im Gesundheitsbereich und des Engagements von zivilen und kirchlichen Gemeinden zur Förderung der Gesundheit statt - auch „Tübingen I und II" genannt. In diesem Zusammenhang wurde die Gründung der Christian Medical Commission (CMC) beschlossen.
Impulse aus diesen Tagungen wurden aufgenommen, als Ende der 1970er Jahre die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Zusammenarbeit mit der Gesundheitskommission des Ökumenischen Rats der Kirchen Programme zur medizinischen Grundversorgung in die Wege leitete.

2.4: Neuere Entwicklungen 1970–1980

In den 1970ern fand ein Umdenken bezüglich der Strategien zur Förderung von Gesundheit und Verhinderung von Krankheit statt. Es wurde klar, dass ein westliches Medizinverständnis den Menschen im globalen Süden nicht gerecht wird und nicht einfach exportiert werden kann. Basisgesundheitsprogramme wurden entwickelt, die Solidarität, Partizipation, soziale Gerechtigkeit, Prävention und angepasste medizinische Versorgung in den Mittelpunkt stellten. Das Difäm wiederum setzte unter der Leitung von Rainward Bastian seine Schwerpunkte bei der Förderung und Durchführung von Entwicklungsprojekten zur Basisgesundheit sowie der Fachberatung im Gesundheitsbereich. Auch die Rolle der Mitarbeitenden im Gesundheitsbereich, die aus Europa oder Nordamerika nach Afrika kamen, änderte sich grundlegend. Statt Pionieren sind heute Fachleute gefragt, die den einheimischen Fachkräften zuarbeiten und sie weiterbilden. Der Partner ist gefragt, der die andere Kultur versteht und respektiert und seine Expertise einbringt, um das Anliegen der Menschen vor Ort voranzubringen.

Entsprechend begleitet und berät das Deutsche Institut für Ärztliche Mission e. V. in Tübingen heute seine kirchlichen Projektpartner bei ihrer Gesundheitsarbeit und fördert Projekte zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung benachteiligter, gefährdeter und bedürftiger Menschen. Die Arbeit zielt auf den Aufbau und die Stärkung lokaler Gesundheitssysteme, vor allem in schwer zugänglichen Regionen. Das Difäm fördert die qualifizierte Aus- und Weiterbildung einheimischer Fachkräfte sowie die Bereiche klinischer Versorgung von Patienten, den Aufbau von Gesundheitsstrukturen inklusive der Versorgung mit Medikamenten, Qualitätssicherung und Projektmanagement.

2.5: Von 1980 bis heute

Die Beteiligung der Bevölkerung und der Aufbau einer Basisgesundheitsversorgung sind neben der engen Zusammenarbeit mit lokalen Partnern von großer Bedeutung. In den 1980ern wurde die Aidsbekämpfung zum Schwerpunktthema der Arbeit des Difäm. Aus der sogenannten Arbeitsgruppe AIDS entstand im Jahr 2002 das Aktionsbündnis gegen AIDS. Heute stehen die Prävention und Behandlung von Infektionskrankheiten und nichtübertragbaren chronischen und vernachlässigten Krankheiten sowie die Gesundheit von Müttern und Kindern im Fokus der Gesundheitsarbeit des Difäm im Sinne der Nachhaltigkeitsentwicklungsziele der Vereinten Nationen. Weitere Schwerpunkte der Organisation für weltweite christliche Gesundheit bilden nach wie vor die Vorbereitung und Fortbildung von Ausreisenden in Tropenmedizin im Rahmen der „Akademie für Gesundheit in der Einen Welt" und die entwicklungspolitische Aufklärungsarbeit hierzulande.

3: Das Tropengenesungsheim (die Tropenklinik)

3.1: Von der Gründung des Tropengenesungsheimes bis 1945

Nach der im Jahr 1909 erfolgten Einweihung des Difäm-Gebäudes in Tübingen wurde sehr schnell deutlich, dass zusätzlich zum Ausbildungsinstitut auch ein Krankenhaus benötigt wurde. Bereits 1910 wurden zurückgekehrte kranke Missionare im Schwesternheim gepflegt. Mit finanzieller Förderung durch Paul Lechler wurde am Himmelfahrtstag 1914 der Grundstein des Tropengenesungsheimes gelegt, das am 15. November 1916 eröffnet werden konnte. Anfangs sollten in erster Linie Missionare und deren Familien nach ihrer Rückkehr aus dem Missionsdienst in der Tropenklinik untersucht werden, um sicher zu stellen, dass sie nicht unter ansteckenden Krankheiten litten. Bis Mitte der 1920er Jahre konnte die medizinische Versorgung auf den neuesten Stand gebracht werden. In den Folgejahren gewann die allgemeine medizinische und internistische Versorgung zunehmend an Bedeutung. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hatte das Krankenhaus den großen Ansturm von heimkehrenden Missionaren und Kolonisten mit ihren Familien aus Ostafrika, aber auch aus dem Nahen Osten, besonders aus Ägypten und dem Heiligen Land (vor allem Angehörige der Tempelgesellschaft) zu verkraften. Teile des Krankenhauses wurde im Zweiten Weltkrieg zum Lazarett für verwundete Soldaten umfunktioniert.

3.2: Entwicklung der Tropenklinik 1945-1980

1951 schloss der damalige Difäm-Leiter Dr. Samuel Müller einen Vertrag mit der Tübinger AOK, der dazu führte, dass die Institution den Status eines mit öffentlichen Mitteln geförderten Krankenhauses namens „Tropenheim Paul-Lechler-Krankenhaus" erhielt. Mitte der 1950er-Jahre wurde über eine Vergrößerung des Krankenhauses nachgedacht. Das Difäm verkaufte 1956 sein altes Gebäude mit Schwesternheim in der Nauklerstraße an das Land Baden-Württemberg, um mit dem Erlös die Tropenklinik in den Jahren 1957 bis 1959 vergrößern zu können.

Weitere Baumaßnahmen schlossen sich 1967/68 an. Die ärztliche Abteilung wurde um einen Vorbau erweitert und ein neues Schwesternheim errichtet, so dass die 3. Etage des Hauptgebäudes nun ausschließlich für Patienten genutzt werden konnte. Seit 1969 wurde das Angebot an Kursen in Tropenmedizin auch für ein breiteres Publikum, nicht nur für Ärzte, sondern auch für Diakone und Pflegepersonal, zugänglich.

Seit den 1980er-Jahren bildeten vier tragende Säulen in den folgenden Spezialbereichen das Erfolgskonzept des Hauses und stellten die Arbeit und die finanzielle Konsolidierung sicher:

1. Tropenmedizin

2. Innere Medizin

3. Moderne Geriatrie und

4. Palliativmedizin

Von der Tropenmedizin zur Geriatrie

Die Tropen- und Reisemedizin mit reisemedizinischer Beratung, Impfungen und Nachuntersuchungen ist auch heute noch ein Arbeitsschwerpunkt der Tropenklinik Paul-Lechler-Krankenhaus, die als zweitgrößtes deutsches Krankenhaus für Tropenmedizin gilt. In den vergangenen Jahren haben sich daneben die Fachbereiche Allgemeine Innere Medizin mit Diabetologie, Akutgeriatrie und Schmerztherapie als weitere Standbeine etabliert. Im Jahr 1991 entstand als gemeinsame Einrichtung des Difäm und des Südwestdeutschen Tumorzentrums des Universitätsklinikums Tübingen das Tübinger Projekt „Häusliche Betreuung Schwerkranker". Im Jahr 2014 wurde die Klinik als eigenständige Tochtergesellschaft des Difäm e. V. ausgegliedert. Als Tropenklinik Paul-Lechler-Krankenhaus gGmbH feiert die Klinik in diesem Jahr das 100jährige Jubiläum. Im Jahr 2017 wird die Klinik einen Bettenneubau einweihen, der zurzeit auf dem Klinikgelände entsteht.

Aktualisiert am: 13.01.2022